Wie ein Bergschloß erhebt sich das Brandenburger Haus über die Gletscherwelt der Ötztaler Alpen. Mehr als 70 Meter über dem Kesselwandjoch (3.222m), dort wo die Quellbecken des Gepatsch- und des Kesselwandferners die Wasserscheide zwischen dem Ötztal und dem
Kaunertal bilden, liegt die höchste Schutzhütte des Deutschen Alpenvereins: Das Brandenburger Haus der Sektion Berlin (3.277m). Der Aufstieg wird belohnt mit einem gewaltigen Panorama über eine der größten Gletscherflächen der Ostalpen: über Fluchtkogel, Weißkugel und Berninagruppe. Umgeben von 17 !! Dreitausendern können an einem Tourentag acht Gipfel ohne weiteres erstiegen werden.
Das Haus selbst liegt inmitten der Gletscher und die Zugänge sind reine Gletschertouren. Seil, Eispickel und gegebenenfalls Steigeisen gehören zur erforderlichen Ausrüstung eines Hüttenbesuches.
Vor dem unmittelbaren Aufstieg zum Brandenburger Haus muß wegen der Gefahr der Höhenkrankheit gewarnt werden (Schwindel, Kopfweh, Übelkeit). Eine Zwischenübernachtung in niedriger Höhe, z.B. im Hochjoch-Hospiz, ist unbedingt zu empfehlen.
Die Anregung für den Bau des Hauses gab ein Aufsatz des Münchener Professors Pott vom 18. Februar 1903. Damals schrieb er in der Nummer 4 der Mitteilungen des D.u.Ö.A.V.:
"Ein Blick auf unsere Ötztaler Karte zeigt uns, wie viele hervorragende Eisgipfel von einem Kesselwandhaus aus mit geringem Aufwand von Zeit und Kraft bestiegen werden könnten, welche großartigen Gletscherwanderungen von dem genannten Punkt nach allen Richtungen, ohne daß man sich anstrengen müßte, ausführbar sind."
Fünf Jahre lang wurde unter mißlichsten Umständen am Brandenburger Haus gebaut, bis es 1909 eingeweiht werden konnte. Wegen Schlechtwetter mußten die Arbeiten mehrmals unterbrochen werden.
Noch heute liegt im Eis des Kesselwand- ferners das Holz des ersten, vom Sturm hinweggefegten, halbfertigen Dachstuhls. Die Materialien für den Bau mußten damals in Einmannlasten aus dem Ötztal hinauf- getragen werden, die Holzbalken wurden auf Zweimannlasten zusammengeschnitten.
In unmittelbarer Nähe des Brandenburger Hauses, sozusagen vor den hinteren Fenstern, erheben sich zwei Berge, welche die Namen von Berlinern tragen: Die Dahmannspitze, 3.387m, benannt nach dem Architekten des Hauses, und die Ehrichspitzen, 3.428m, benannt nach Max Ehrich, dem ersten Hüttenwart.
Beide Gipfel gehören zu den westlichen Kesselwänden. Noch andere Benennungen im Umkreis des Brandenburger Hauses erinnern an Berliner: Titzentaler Weg, Oscar-Reuther-Weg, Richter-Weg, Deloretteweg. Alles Wege, die zum Brandenburger Haus führen.
Um die Erhaltungskosten zu senken opfern seit 1979 Jahr für Jahr Mitglieder der Sektion Berlin ihren Urlaub, um ohne Entgelt in notwendigen Arbeitseinsätzen das Haus den Bergsteigern als Schutzhütte zu erhalten. Die Versorgung erfolgt nur per Hubschrauber: ein Kilogramm Last - ob Bier, Brot oder Kohle zum Kochen - kostet mindestens eine Mark.
Dank Unterstützung des DAV, der Europäischen Union, seit 1997 aber vor allem des Bundeslandes Brandenburg, konnten Abwasserentsorgung und Energieversorgung umweltgerecht ausgebaut und wichtige Sanierungsarbeiten geleistet werden.
Deutscher Alpenverein Sektion Berlin e.V. - Dein Partner in den Bergen